Der Islam – Glaube, Werte und Alltag
1. Einleitung: Was bedeutet Islam?
Der Islam ist eine monotheistische Religion, die ihren Ursprung in der prophetischen Tradition der abrahamitischen Religionen sieht. Das Wort „Islam“ leitet sich aus dem Arabischen ab und verbindet zwei zentrale Gedanken: die bewusste Hingabe an Gott und den Frieden (Salām).
Als Musliminnen und Muslime verstehen wir unseren Glauben als Einladung zu einem achtsamen Leben – im Einklang mit Gott, mit den Mitmenschen und mit der Schöpfung.
2. Wer ist Gott (Allah)?
Allah ist die arabische Bezeichnung für den einen, einzigen Schöpfer – dasselbe Wort, das auch arabischsprachige Christen für Gott nutzen.
Im islamischen Verständnis zeichnet sich Gott vor allem durch Allmacht, Weisheit und grenzenlose Barmherzigkeit aus: Jedes Kapitel des Korans beginnt mit der Erinnerung an den „Allerbarmer, den Barmherzigen“. Der Glaube an diesen Schöpfer schenkt Orientierung und Vertrauen im Alltag.
3. Woran wir glauben (Die Grundlagen des Glaubens)
Das theologische Fundament des Islam ruht auf sechs Glaubensartikeln (Imān), die den Sinn des Lebens und die Verantwortung des Menschen beschreiben:
- Der eine Gott: Der Ursprung und Erhalter allen Lebens.
- Die Engel: Geistige Schöpfungswesen, die Gottes Willen im Verborgenen wirken.
- Die Schriften: Die göttlichen Offenbarungen, darunter Thora, Evangelium und der Koran.
- Die Propheten: Vorbilder der Menschheit wie Abraham, Moses, Jesus und Muhammad als abschließender Gesandter.
- Der Tag des Gerichts: Die Überzeugung, dass jeder Mensch Verantwortung für seine Handlungen trägt.
- Das Schicksal (Qadar): Das Vertrauen in den Schöpfungsplan und die Weisheit Gottes.
4. Wie wir glauben leben (Die fünf Säulen) Der Glaube ist im Islam eng mit dem praktischen Handeln verwoben. Fünf Handlungen geben dem Alltag Struktur und erinnern an Mitgefühl und Gemeinschaft:
Säule 1 von 5
Schahada
Das Glaubensbekenntnis
Die erste Säule ist die Tür zum Islam. Sie fasst den Kern des Glaubens in einem Satz zusammen.
Wissenswertes
- Zwei Teile: der Glaube an den einen Gott (Tauhid) und an Muhammad als Gesandten
- Übertritt: Wer Muslim werden möchte, spricht sie aufrichtig aus, in der Regel vor Zeugen
- Im Alltag: Sie ist Teil des Gebetsrufs (Adhan) und jedes Gebets
- Folgen: daraus ergibt sich der Glaube an Engel, Offenbarungsbücher, Propheten, den Jüngsten Tag und die göttliche Bestimmung
Säule 2 von 5
Salah
Das rituelle Gebet
Fünfmal am Tag wenden sich Muslime im Gebet an Gott. Es gliedert den Tag und verbindet die Gemeinde.
Wissenswertes
- Vorbereitung: Waschung (Wudu) und saubere Kleidung
- Ablauf: Stehen, Verbeugung (Ruku), Niederwerfung (Sudschud), Sitzen
- Freitag: gemeinsames Mittagsgebet (Jumua) mit Predigt
- Zeiten: stehen für Münster unter „Gebetszeiten“
Säule 3 von 5
Zakat
Die Pflichtabgabe
Ein fester Teil des Vermögens geht einmal im Jahr an Menschen in Not. Zakat reinigt den Besitz und stärkt die Solidarität.
Wissenswertes
- Empfänger: unter anderem Arme, Bedürftige, Verschuldete und Reisende in Not
- Sadaqa: freiwillige Spenden sind davon zu unterscheiden
- Zakat al-Fitr: zum Ende des Ramadan zahlt jede Person eine kleine Abgabe
Säule 4 von 5
Sawm
Das Fasten im Ramadan
Im neunten Monat des islamischen Kalenders fasten Muslime von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang. Es ist eine Zeit der Besinnung und des Verzichts.
Wissenswertes
- Mahlzeiten: Frühmahl (Suhur) vor der Dämmerung, Fastenbrechen (Iftar) bei Sonnenuntergang
- Ausnahmen: Kranke, Reisende, Schwangere, Stillende und Kinder; versäumte Tage werden nachgeholt
- Abends: Tarawih-Gebet und Koranrezitation
- Ende: das Fest Eid al-Fitr
- In der Moschee: Iftar am Wochenende, Suhur in den letzten 10 Tagen
Säule 5 von 5
Hadsch
Die Pilgerfahrt nach Mekka
Einmal im Leben pilgern Muslime nach Mekka, wenn sie gesundheitlich und finanziell dazu in der Lage sind.
Wissenswertes
- Kleidung: im Weihezustand (Ihram) tragen Männer zwei ungenähte weiße Tücher, Frauen schlichte Kleidung
- Stationen: sieben Umrundungen der Kaaba (Tawaf), Lauf zwischen Safa und Marwa (Sai), Stehen auf der Ebene von Arafat
- Abschluss: das Opferfest Eid al-Adha
- Gemeinschaft: Pilger aus aller Welt beten gemeinsam, unabhängig von Herkunft und Stand
5. Werte & Zusammenleben
Der Kern islamischer Ethik ist der gute Charakter (Achlāq). Ehrlichkeit, Nachbarschaftshilfe, Respekt vor dem Leben und Verantwortung für Umwelt und Mitmenschen sind keine bloßen Empfehlungen, sondern gelebter Gottesdienst.
Der Prophet Muhammad – Friede und Segen Allahs mit ihm – fasste seinen Auftrag so zusammen: „Ich wurde nur gesandt, um die edlen Charaktereigenschaften zu vervollkommnen.“ [Al-Bayhaqi in As-Sunan al-Kubra, 20571]
6. Brücke zur Begegnung (Call to Action / Einladung)
„Glaube lebt vom Kennenlernen und vom Gespräch.“
Religion lässt sich nur bedingt auf dem Bildschirm erklären – sie wird lebendig in der Begegnung. Unsere Moschee ist ein Ort der Einkehr, des Austauschs und des offenen Dialogs.
Ob Sie Fragen haben, den Gebetsraum sehen möchten oder einfach neugierig sind: Sie sind jederzeit herzlich willkommen.





